ROLAND GRÜTER | FOTOGRAFIE
/

 

 

Roland Grüter im Portrait | Eine Betrachtung von Anne Brockmann.

 

Aus der Wanne hinter die Kamera.

 „Wenn es früher etwas aus dem Keller zu holen gab, hat meine Mutter oft mich geschickt. Meist kam ich allerdings mit leeren Händen zurück, weil ich die gewünschten Dinge nicht gefunden habe. Ich habe sie einfach nicht gesehen“, erinnert sich Roland Grüter verwundert. Heute ist das anders. Als Fotograf lebt er davon, Dinge zu sehen, die anderen nicht unbedingt auffallen.

Mit seinen Aufnahmen geht der freischaffende Künstler so weit, dass er dem Betrachter eine Bilderwelt zugänglich macht, zu der dieser mit seiner bloßen Sinneswahrnehmung ohne Weiteres kaum einen Zutritt hat. Beispielsweise nutzt er die Möglichkeiten der Restlichtfotografie. Hierbei trifft für unsere Augen nicht sichtbares Licht auf stark verlängerte Belichtungszeiten. Das Verschmelzen dieser beiden Komponenten macht dem Auge Dinge sichtbar, die es sonst nicht wahrnehmen könnte. „Ich wollte dem Geheimnis näher kommen, weshalb die Natur so stark auf den Menschen wirkt. Meine Bilder sind ein Versuch, der in uns lebenden Sehnsucht nach der Natur - dem Ursprünglichen - zu begegnen.“ Pflanzenkörper würden zum Beispiel die verschiedenen Dimensionen des Lichtes besonders stark verdeutlichen. Denn sowohl im Pflanzenkörper selbst als auch um ihn herum zeigten sich im Gegenlicht ganz neue Perspektiven. So beschreibt Roland Grüter seine Motivation.

Genau wie die gesuchten Dinge im Keller entdeckte er auch sein Interesse für die Fotografie nicht sofort. Nach der Schulzeit absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Reproduktionsfotografen und hatte jeden Tag von ganz anderer Seite mit Bildern zu tun. „Ich war nicht derjenige, der Motive aufgenommen hatte, sondern derjenige, der dafür sorgte, dass sie in guter Qualität aufs Papier kamen“, fasst Roland Grüter seine Arbeit zusammen. Weil die erforderlichen Maschinen für die Plakatproduktion zu teuer waren, stieg Roland Grüter dafür mit Gummistiefeln in eine große Wanne, die die Flüssigkeit zum Entwickeln der Repros enthielt. Die Filme trug er auf einem Besenstiel aufgerollt.

Ganz allmählich führte die Herstellung der Druckvorlagen aber zu dem Wunsch, auf die andere Seite des Bilderschaffens zu wechseln. Dieser Wunsch war jedoch immer auch begleitet von der Frage: „Kann ich das? Bin ich in der Lage, an die gestalterische Qualität renommierter Bildagenturen und Fotografen heranzureichen?“ Schließlich war die Neugier größer als die Bedenken und so holte Roland Grüter zunächst die Fachhochschulreife nach, um anschließend Fotodesign zu studieren.

Inzwischen ist der 57-Jährige seit drei Jahren ausschließlich als freiberuflicher Fotograf tätig und hat sich damit einen Lebenstraum erfüllt. Auf dem Weg dahin absolvierte er unter anderem eine Ausbildung im Bereich Marketing und Werbung, die gut mit seinem Fotografendasein harmoniert.

Am liebsten richtet er seine Kamera auf Landschaften, Pflanzen und die Gesichter von Menschen. „Mein Ziel ist es, die Schönheit zum Vorschein zu bringen, die in allem und jedem liegt. Zum Beispiel den Moment festzuhalten, wo ein Gesicht loslässt und ganz eins ist mit dem Inneren des Menschen, zu dem es gehört.“